Lübeck

Auf ein Wort... mit Dr. Cornelia Schäfer

Lübeck. Seit drei Jahrzehnten engagiert sich Dr. Cornelia Schäfer für den Dom zu Lübeck und die fünf Innenstadtkirchen. Am Reformationstag, 31. Oktober 2026, erhält sie die Bugenhagenmedaille der Nordkirche aus den Händen von Bischöfin Kirsten Fehrs. Ein Gespräch. 

Fünf Fragen an…

Wie haben Sie erfahren, dass Sie die Bugenhagenmedaille erhalten – und was bedeutet Ihnen diese hohe Auszeichnung?

Cornelia Schäfer: Bischöfin Kirsten Fehrs rief mich Anfang Juni an, um mir zu meinem Geburtstag zu gratulieren und mir mitzuteilen, dass die Kirchenleitung beschlossen hat, mir die Bugenhagenmedaille zu verleihen. Diese Auszeichnung ist eine große Wertschätzung meines ehrenamtlichen Engagements, die ich mit großer Dankbarkeit entgegennehme.

Wenn Sie auf Ihre langjährige Arbeit zurückblicken: Was hat sich in dieser Zeit verändert – bei der Kirche, aber auch bei Ihnen selbst?

Cornelia Schäfer: Die großen Themen – Mitgliederschwund, Finanzen, Gebäude und Personal – haben sich bereits um die Jahrtausendwende abgezeichnet. Die damit verbundenen Herausforderungen wurden in den folgenden Jahren zunehmend spürbar, zunächst allerdings nicht immer ernst genug genommen. Das hat sich inzwischen deutlich verändert.

Durch meine langjährige berufliche und ehrenamtliche Erfahrung habe ich mehr Gelassenheit und Akzeptanz im Umgang mit unausweichlichen Veränderungen gewonnen. Gleichzeitig setze ich mich engagiert für die Themen ein, bei denen wir tatsächlich etwas bewegen können.

Verantwortung und Verpflichtung

Ihr Ehrenamt ist zu einem großen Teil Ihres Lebens geworden. Was gibt Ihnen dieses Engagement persönlich zurück – und was kostet es Sie vielleicht auch?

Cornelia Schäfer: Die Begegnungen mit vielen Menschen und die gemeinsamen Erfahrungen haben mein Leben bereichert. Sie haben mir die Möglichkeit gegeben, meinen Glauben und meine persönlichen Werte im Alltag sichtbar zu machen. Gemeinsam mit anderen etwas zu bewegen, wirkt lange nach. Besonders freue ich mich über positive Rückmeldungen, wenn ein Projekt erfolgreich abgeschlossen ist. Aber auch dann, wenn es Rückschläge gibt, motiviert es mich, dranzubleiben und das gemeinsame Ziel nicht aus den Augen zu verlieren.

Verantwortung im kirchlichen Ehrenamt bedeutet allerdings auch Verpflichtung. Deshalb mussten andere Interessen und persönliche Kontakte manches Mal zurückstehen. Einige sind dabei leider auch auf der Strecke geblieben.

Welche Fähigkeiten aus Ihrem Berufsleben als Ärztin und Leiterin des Ärztlichen Dienstes der Rentenversicherung Nord helfen Ihnen heute besonders – und was haben Sie vielleicht erst durch das Ehrenamt gelernt?

Cornelia Schäfer: Aus meinem Berufsleben bringe ich Erfahrungen im Umgang mit Risiken und Krisen mit – sowohl im gesundheitlichen als auch im gesellschaftlichen Bereich. Dazu kommen Kompetenzen in der motivierenden Führung von Menschen und in der Begleitung einschneidender Veränderungsprozesse.

Im Ehrenamt konnte ich diese Fähigkeiten weiter vertiefen, etwa durch die Moderation von Veränderungsprozessen. Ein Beispiel dafür waren die Strukturveränderungen in den Jahren 2003 und 2004 im damaligen Kirchenkreis Lübeck.

Ehrenamtliche sind Rückgrat der Kirche 

Was macht für Sie eine lebendige Kirche aus? Und welchen Beitrag können Ehrenamtliche dazu leisten?

Cornelia Schäfer: Für mich gehört dazu eine wertschätzende Offenheit gegenüber allen Lebenswirklichkeiten – ganz gleich, ob Menschen der Kirche nahestehen oder ihr fern sind. Wo immer es möglich ist, sollten wir in unseren Kirchen eine einladende Präsenz und eine Willkommenskultur schaffen: für Gläubige, Touristinnen und Touristen, Kulturinteressierte und Menschen, die auf der Suche sind. Kirche sollte ein lebendiger Ort der Begegnung und Spiritualität sein.

Ehrenamtliche sind für mich das Rückgrat der kirchlichen Gemeinschaft. Sie sind häufig die ersten Ansprechpartnerinnen und Ansprechpartner in unseren Kirchen. Im Lübecker Dom leisten sie unverzichtbare Arbeit, beispielsweise in der Betreuung der Besuchenden durch die Domwache, im Team der ehrenamtlichen Küsterinnen und Küster, bei Kirchenführungen und bei der Begleitung von Veranstaltungen. Darüber hinaus übernehmen sie Verantwortung in den Leitungsgremien der Gemeinden und auf übergemeindlicher Ebene.