Lübeck

Dreifaltigkeitskirche wird entwidmet: Kücknitz setzt Gebäudeprozess fort

Lübeck. Nach mehr als 60 Jahren endet die kirchliche Nutzung der Dreifaltigkeitskirche: Am Sonntag, 4. Oktober 2026, wird das Gotteshaus im Rahmen eines Abschiedsgottesdienstes mit Kirsten Fehrs, Bischöfin der Nordkirche im Sprengel Hamburg-Lübeck, und Propst Oliver Erckens feierlich entwidmet.

Abschiedsgottesdienst an Erntedank

Die Entscheidung ist Teil des im November 2023 vorgestellten Gebäudeprozesses der Kirchengemeinde Kücknitz, mit dem die Gemeinde ihre Standorte langfristig zukunftsfähig aufstellt. „Leicht haben wir uns diese Entscheidung nicht gemacht. Allen Beteiligten war klar, dass es ohne schmerzliche Einschnitte nicht möglich sein wird, ein langfristig wirtschaftlich solides Konzept zu entwickeln“, sagte Pastor Albrecht Martins, Vorsitzender des Kirchengemeinderates. 

“Das waren keine leichten Entscheidungen”

Seit 2016, verstärkt seit Anfang 2021 gemeinsam mit den Fachabteilungen des Kirchenkreises, hatte der Kirchengemeinderat sämtliche Liegenschaften anhand von Nutzungszahlen, Investitionsbedarf, baulichem Zustand, Lage und Eigentumsverhältnissen untersucht. Zu dem Zukunftsplan gehören neben der Entwidmung der Dreifaltigkeitskirche auch weitere Veränderungen: Die Kirchengemeinde führt derzeit Gespräche mit Interessenten für die ehemalige St.-Paulus-Kapelle in Dänischburg. Das Pastorat in der Dummersdorfer Straße wird an die Hansestadt Lübeck zurückgegeben, das Gemeindebüro zieht in das KirchenFORUM im Straßenfeld 2. Damit wird das KirchenFORUM künftig noch stärker zum Mittelpunkt des Gemeindelebens, kündigt Pastor Ruben Burkhardt an.

Gemeinde will sich von Liegenschaft trennen 

"Die Entwidmung markiert das Ende der kirchlichen Nutzung des markanten Bauwerks. „Es kommt nicht sofort der Abrissbagger, da das Gebäudeensemble unter Denkmalschutz steht“, sagt Pastor Ruben Burkhardt. „Eine sinnvolle Nachnutzung zu finden ist aber nicht leicht. Als Kirchengemeinde wollen wir uns von dieser Liegenschaft trennen und sie in verantwortungsvolle Hände geben. Wir sind noch auf der Suche nach Interessenten für das Grundstück mit dem Kirchengebäude.“

Ein wesentlicher Grund für die Entscheidung ist der hohe Sanierungsbedarf der Dreifaltigkeitskirche. Insgesamt wären Investitionen von mindestens 1,8 Millionen Euro erforderlich gewesen. Hinzu kommen jährliche Bewirtschaftungskosten von rund 13.000 Euro – eine finanzielle Belastung, die die Kirchengemeinde dauerhaft nicht tragen könnte.

Investitionsstau wäre zu hoch gewesen

Die Dreifaltigkeitskirche entstand in einer Zeit des Aufbruchs. Nachdem Lübeck in den Nachkriegsjahren durch viele Geflüchtete stark gewachsen war, entwickelte sich auch der Stadtteil Roter Hahn zu einem neuen Wohngebiet. Mit dem Bau der Kirche erhielt das Quartier einen geistlichen und gesellschaftlichen Mittelpunkt. Der Grundstein wurde am 18. Juni 1963 gelegt, die Einweihung erfolgte am 28. Februar 1965. Seitdem haben Generationen von Menschen hier Gottesdienste gefeiert, Kinder taufen und konfirmieren lassen, geheiratet, Abschied genommen und Gemeinschaft erlebt.

Genau diese Erinnerungen sollen bei der Entwidmungsfeier im Mittelpunkt stehen. „Es wird ein Abschied und dazu gehören Trauer und Schmerz. Gleichzeitig soll Dreifaltigkeit an diesem Tag leuchten“, sagt Ruben Burkhardt. „Es soll ein Fest werden, bei dem Platz ist für all die wunderbaren Erinnerungen, die diesen Ort besonders gemacht haben, wo Menschen sich begegnet sind und Erlebnisse gesammelt haben, die im Herzen bleiben.“

Gemeinde will gemeinsam Abschied nehmen

Die Kirchengemeinde lädt alle Menschen, die mit der Dreifaltigkeitskirche verbunden sind, zum Entwidmungsgottesdienst am Sonntag, 4. Oktober 2026, ein. Darüber hinaus werden Gemeindemitglieder und Wegbegleiter gebeten, Fotos, Geschichten und persönliche Erinnerungen zur Geschichte der Kirche beizutragen. Sie sollen dazu beitragen, die Geschichte der Dreifaltigkeitskirche auch über ihre Entwidmung hinaus lebendig zu halten.