Propstei Lübeck

Johannes-Passion von J.S. Bach in St. Aegidien

Lübeck. Der Lübecker Bach-Chor führt in seinem nächsten Konzert am Sonntag, den 22. März um 17 Uhr in St. Aegidien die Johannes-Passion von Johann Sebastian Bach auf.

Raum für Reflexion in der Passionszeit

Das Werk schildert die Leidensgeschichte Jesu nach dem Johannesevangelium in einer eindrucksvollen Verbindung von Erzählung, Chorälen und Arien. Neben der dramatischen Gestaltung der biblischen Szenen bietet die Musik Raum für persönliche Betrachtung und Reflexion.

Es musizieren der Lübecker Bach-Chor, das Concerto Farinelli sowie die Solistinnen und Solisten Anne-Maj Hansen (Sopran), Juliane Sandberger (Alt), Tobias Hunger (Tenor) und Konstantin Heintel und Carsten Crüger (Bass).

Tickets im Vorverkauf und online

Eintritt: 29 / 23 / 12 Euro (ermäßigt: 21 /16 / 9 Euro) zzgl. VVK-Gebühren, Kinder bis 12 Jahren: 6 Euro
Verkauf an den bekannten VVK-Stellen (LN Digital Store Königstraße 67A) und unter www.luebecker-bachchor.de.


Historisch-musikalischer Hintergrund zur Passionsmusik

Die musikalisch-liturgische Tradition der alten Messestadt Leipzig untersagte in der Passionszeit die Aufführung von Figuralmusik während der Gottesdienste. Es erklangen in diesen Wochen also keine Kantaten oder Motetten, die die Lesungstexte des jeweiligen Sonntages reich figuriert zur Betrachtung angeboten hätten. 

Erzählung der Passionsgeschichte vor Ostern

Einen großen musikalischen Schwerpunkt hingegen bildete die Erzählung und Betrachtung der Passionsgeschichte am Karfreitag. Die Wochen zuvor boten genügend Raum, ein so groß angelegtes Werk zu komponieren und einzustudieren. Die Johannespassion – Bach hat sie in seinem zweiten Leipziger Jahr das erste Mal aufgeführt – ist also in erster Linie eine Erzählung. Der Erzähler ist der Tenor, die Einzelpersonen werden solistisch übernommen (Christus, Pilatus, Petrus, Magd), die Worte der Menschenmenge, die sogenannten Turba-Chöre, werden der ‘Menge' der Choristen in den Mund gelegt. 

Musikalische ‘Bilder’ der Passionsgeschichte 

Außerdem aber ist diese großartige dramatische Komposition auch von den ‘Betrachtungen’ geprägt: von den zehn Arien und Ariosi, von dem großen Eingangschor “Herr, unser Herrscher” und dem Schlusschor “Ruhet wohl”. Diese reflektieren und leiten zu den folgenden Szenen hin und bilden damit gewissermaßen eigene großartige Bilder des Passionsgeschehens. Eine sich hinziehende Menschenmenge, die vielfach Gott ruft und darin eine bedrückende innere Not zum Ausdruck bringt.

Choralsätze mit inneren Bezügen

Die dritte Ebene bilden die zwölf Choralsätze, die die Reflektionen ganz nah an die singende Gemeinde heranführen. Das ganze Werk ist zudem durchzogen von vielfältigen inneren Bezügen und architektonischen Absichten. So steht zum Beispiel der Choral “Durch dein Gefängnis, Gottes Sohn, muss uns die Freiheit kommen” im Mittelpunkt von drei Chorpaaren mit jeweils sehr nah verwandter musikalischer Ausgestaltung und wird dadurch zur zentralen Aussage.

Sei gegrüßet – schreibe nicht

Kreuzige ihn – Weg, weg mit dem, kreuzige

Wir haben ein Gesetz – Lässest du diesen los

Choral: Durch dein Gefängnis, Gottes Sohn

Können wir von dieser einen Freiheit sprechen, die wir durch das Auftreten von Christus erhalten haben, und können wir uns von ihr einen Begriff machen? Suchen wir täglich danach, die Musik von Johann Sebastian Bach hilft uns darin auf existenzielle Weise. 

Text: Eckhardt Bürger, Kirchemusiker an St. Aegidien