Wohltorf-Aumühle

Editorial März - Aufbrechen

Aufbrechen

Er war 75 Jahre alt, als sich sein Leben völlig veränderte. Das hatte er nicht geplant und es war auch zunächst nicht seine Entscheidung.
Er verließ den Ort, an dem er geboren war. Hier hatte er bisher gelebt.
Hier war er zu Wohlstand gekommen. Dazu hatten ihm auch seine Arbeiter verholfen. Und für sie trug er Verantwortung.
Wir können uns seinen Aufbruch vorstellen wie eine Karawane: Auf den bepackten Lasttieren befand sich all sein Besitz. Und alle die zu ihm gehörten, gingen zu Fuß nebenher.

Was ihn bewogen hat zu gehen, waren diese Worte:

            Geh aus deinem Vaterland
            aus deiner Verwandtschaft
            und aus deines Vaters Hause
            in ein Land, das ich dir zeigen werde.
            Ich will dich segnen
            und du sollst ein Segen sein (1.Mose 12)

Und er zog los. - Ziel unbekannt

Sein Name war Abraham

Als sie 75 Jahre alt war, saß sie auf gepackten Koffern. 
Am nächsten Tag würde der Umzugswagen kommen und sie zu einem Ort bringen, den sie noch nicht kannte. 
Das hatte sie so entschieden, und: sie fühlte sich verzagt.
An dem neuen Ort kannte sie niemanden. Keinen der Wege dort war sie gegangen.
Wie würde ihr Leben dort weiter gehen?

Sie dachte an Abraham. Seine Geschichten waren ihr vertraut.
Die Worte, die er gehörte hatte, sprachen auch zu ihr:

Verlasse deine vertraute Stadt,
verabschiede dich von deinen Freundinnen und Wegbegleitern.
Verkaufe dein Haus und gib den Schlüssel der jungen Familie,
die darin wohnen wird.
Und zieh in einen Ort, den du mit mir kennen lernen wirst.
Ich will dich segnen und du sollst ein Segen sein.

Der Ort, der vor ihr lag, heißt Wohltorf.

Und so ging es weiter:
Sie hat hier erlebt, was schon Abraham versprochen wurde:
Ich will dich segnen und du sollst ein Segen sein.

Und sie fühlte sich gesegnet durch die Begegnung mit vielen Menschen hier,
durch gemeinsames Erleben und Gestalten, 
durch die Beziehungen, die entstanden sind,
durch Gottesdienste,
und durch die zunehmende Vertrautheit mit der Landschaft
und mit dem Dorf.

Und wieder gibt es einen Aufbruch:
Diesmal ist sie nicht allein. 
Diesmal sind alle unterwegs:
Wohltorfer und Aumühler.
Sie sind dabei, Schritte in eine Zukunft zu tun, die sie noch nicht so ganz überschauen.
Es gibt auch Bedenken und Widerstände 
denn es muss Vertrautes verlassen werden.
Es ist nötig, es ist wichtig, das zu tun. 
Und wie wird es werden?
Was können sie mitnehmen, 
auf was müssen sie verzichten?
Was kann ihnen helfen? 
Was macht sie mutig?

Erinnerung an die Stimme, die zu Abraham sprach.
Und so könnte sie heute klingen:

Lasst zurück, was euch vertraut war,
eure Traditionen, eure Gebäude, eure Geschichte
und seid offen für das, was nun gemeinsam neu wird.
Denn: ihr seid gesegnet und ihr werdet Segen sein.

Und wenn ihr ein Bild braucht, das euch Vertrauen gibt -
seht in den Sternenhimmel :
Könnt ihr die Sterne zählen?
So reich wird der Segen sein, den ihr miteinander erleben werdet.

Also lasst uns losgehen

Bärbel von Busch